20.02.2015, 18:42 - Wörter:
Eingangshalle
am 01.01.1970
liam & demelza
31. Mai 1998 | nachmittags
Das war insgesamt eine sehr unschöne, komplizierte und verfahrene Situation. Nicht das hier mit Demelza, sondern einfach alles. Die Unterhaltung mit Demelza fand Liam ziemlich aufschlussreich – zwar hatte er schon von vielen Schülerinnen und Schülern ihren Unmut gegenüber der Situation mitbekommen, doch jetzt mal mit Demelza alleine zu sprechen, war auch eine gute Gelegenheit um mehr darüber zu erfahren, wie sie und womöglich die anderen dachten. Sicherlich konnte man Demelzas Sichtweise nicht einfach so auf die anderen übertragen, doch Liam war sich ziemlich sicher, dass es vielen Schülern da ganz genauso wie Demelza ging. Gut, es würden sich nun sicherlich nicht alle direkt mit den Slytherins anlegen aber es war auch oft nicht vorhersehbar, wie die Menschen reagierten, wenn man sie provozierte. Das Schlimmste an allem war ja, dass Liam Demelza voll und ganz verstehen konnte und dass er ja prinzipiell der gleichen Meinung war. Nur war er „leider“ auch Lehrer und konnte das nicht so raus hängen lassen, seinen Unmut jedenfalls.
Plötzlich wechselte sich jedoch das Thema – in gewisser Weise. Liam bemerkte, dass Elzas Blick ernst wurde – ihre Stimme war immer noch aufgebracht und sie schien sich nun sehr in Rage zu reden, denn nun sprach sie von ihrem Bruder. Liam nickte langsam, natürlich hatte auch er davon mitbekommen, es war ein Thema im Kollegium gewesen. Sie stellte ihm relativ provozierende Fragen, doch Liam ließ sich nicht beirren. Er sagt erst einmal nichts und sah die Schülerin bloß an. Wären es andere Umstände, so würde er es nicht gutheißen, wenn ein Schüler so mit ihm sprach, doch hier war es etwas anderes. Nun wusste er wirklich nicht, was er darauf entgegnen sollte – Demelza war sichtlich verzweifelt und wütend und das zurecht. Außerdem befand sie sich in Trauer um ihren Bruder und all das tat Liam einfach so Leid. Er schwieg einen Augenblick, doch Demelza hatte schon weitergesprochen.
Als Demelza meinte, sie würde später Aurorin werden und dann dementsprechend mit solchen Leuten „abrechnen“, musste Liam schon ein wenig schmunzeln. Ja, er konnte es sich schon gut vorstellen, dass Demelza eine gute Aurorin abgeben würde – auch wenn sie bis dahin ihr Problem mit dem provozieren lassen etwas in den Griff kriegen sollte, aber da war der junge Lehrer ganz zuversichtlich. „Das hört sich nach einem guten Plan an.“, meinte er deshalb zustimmend und lächelte die Gryffindor aufmunternd an. Doch es schien nicht so, als könnte irgendetwas, was er sagte Demelza aufmuntern, denn ihr Blick war voller Traurigkeit als sie ihn fragte, ob er sich denn vorstellen könnte wie es ist, den wichtigsten Menschen im Leben zu verlieren. Liam schaute ihr nach, wie sie sich einige Schritte von ihm entfernte und sich auf eine Bank setzte.
„Ja, das weiß ich.“, sagte Liam dann langsam. „Und es muss Ihnen auch nicht Leid tun, wirklich nicht.“, versicherte er ihr. Er fand es zwar gut, dass sich Demelza nun ein wenig beruhigt hatte, doch er war sich auch nicht sicher, ob er mit der verzweifelten Demelza besser umgehen konnte, als mit der wütenden. „Es ist momentan nicht einfach, für keinen von uns, leider.“, fuhr Liam langsam fort und ließ sich schließlich auch auf der Bank neben Demelza nieder und sah die Schülerin von der Seite an. „Und ich kann mir nicht vorstellen, wie es Ihnen gerade geht.“, langsam schüttelte er den Kopf und sah für einen Augenblick auf seine Hände, die auf seinen Knien ruhten. „Aber immer, wenn etwas am Tiefpunkt angelangt ist – dann geht es zwangsläufig irgendwann wieder bergauf.“, kurz hielt er inne. „Und auch wenn es schwer vorstellbar ist – ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass sich die Situation nicht noch weiter verschlimmern kann. Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen, wie sich die nächsten Wochen hier gestalten werden, ich wünscht, ich wüsste das!“, Liam seufzte kaum hörbar, dann lenkte er seinen Blick jedoch wieder zu Demelza. „Wir müssen aber versuchen, das hier irgendwie zu überstehen. Auch wenn das einfacher gesagt ist als getan. Versprechen Sie mir, dass sie versuchen werden, sich nicht provzieren zu lassen?“, fragte Liam dann und versuchte sich erneut an einem Lächeln. "Es muss doch etwas anderes geben, was wir tun können..."