24.04.2015, 00:06 - Wörter:
Eingangshalle
am 01.01.1970
... UND LEISER. DOCH SOLL MAN SICH DESHALB STRESSEN?
STUDIEREN LOHNT
RON WEASLEY & HERMINE GRANGER
13. JUNI 1998 | AM MITTAG
„Diese dumme Ihwa-Rune!“, palaverte Hermine gequält weiter, während Ron sein kleines, nichtssagendes ‚Oh‘ entfuhr, das gar nicht so nichtssagend war, wenn man den Blick bemerkte, mit dem er sie nun bedachte und der pures Mitleid ausdrückte. „Die wird mich wohl bis zu meinem Lebensende verfolgen!“, sagte sie und übertrieb dabei maßlos, während ihr Blick von Rons grünen Augen wieder langsam zu Zaubermanns Silbertabelle glitt, die ihr erzählte, dass sie tatsächlich nicht imstande war, zwei so elementar wichtige Runen gescheit auseinanderzuhalten! Währenddessen gab Ron sein Bestes, sie aufzumuntern. Aber das war genau das, worauf Hermine hochallergisch reagierte: Wenn jemand die Augen vor der Wahrheit verschloss und irgendwas redete, von dem sie beide wissen mussten, dass es nicht stimmte. (Hermine jedenfalls war davon überzeugt, dass sie gerade mindestens ein M geschrieben hatte. Was in ihrer ganzen Schulkarriere niemals NIE vorgekommen war!) „Ach, Ron, du hast doch gar keine Ahnung! Es war NICHT gut! Aber guck mich bloß nicht so mitleidig an, ich hasse das!“, sagte sie ein wenig bissig und sah den gutmütigen Freund grimmig an. Als sie jedoch sah, wie ihm daraufhin das eigentlich umwerfend schiefe Lächeln, das er ihr zugeworfen hatte, einfach aus dem Gesicht fiel, zog sich ihr Herz ein bisschen zusammen. „Oh.“, machte sie nun selber und runzelte die Stirn über sich selbst. Sie schluckte. „Entschuldige bitte. Ich meinte es nicht so. Das regt mich nur auf, weißt du. Du kennst mich ja!“, sagte sie ein wenig versöhnlich, mit einem mal ganz ruhig und nickte dann. „Ja, ich werde versuchen, es abzuhaken.“, sagte sie gehorsam, als Ron ihr auch schon seine Patentlösung für alle Probleme präsentierte: Essen. Und ihr Magen knurrte ja auch wirklich ein wenig!
Erst einmal erklärte ihr Ron aber nun, warum er nicht selber über den Büchern saß und büffelte. Was er angeblich aber bislang getan hatte – der Meinung war er jedenfalls. „Hm!“, machte Hermine nun zweifelnd und absolut nicht überzeugt – aber sanftmütiger als sonst. „Weißt du, wenn Harry und du einfach die Lernpläne benutzen würdet, die ich jedes Mal für euch ausgearbeitet habe, dann hättet ihr all eure Probleme gar nicht. Prokrastination ist aller Laster Anfang!“, erklärte Hermine neunmalklug, obwohl Ron ja mit keinem Wort gesagt hatte, dass er Lernprobleme hatte. Aber seine Körpersprache verriet ihn. Seine Verlegenheit verriet ihn. Trotzdem erwiderte die Gryffindor nun sanftmütig sein Grinsen und wandte dann kurz den Blick von ihm ab, um ihn in die Ferne schweifen zu lassen. „Schön.“, sagte sie dann und sah wieder in die grünen Augen. „Dann machen wir also jetzt gemeinsam eine Pause. Aber nicht lang!“ Nicht auszudenken, wenn sie bei all dem Essen und der frischen Luft vergaß, dass die praktische Prüfung in nur wenigen Stunden stattfinden würde!
Nun aber drückte ihr Ron einen herrlich riechenden Kesselkuchen in die Hand und wieder knurrte Hermines Magen. „Danke!“, sagte sie brav und hätte sich zugegebenermaßen am liebsten direkt darauf gestürzt, aber eigentlich aß man ja nun mal eben nicht so auf den Gängen. Das stand sogar in der Hausordnung! „Dann lass uns gehen!“, stimmte sie nickend Rons Vorschlag, Hagrid zu besuchen, zu. „Es ist eigentlich echt gut, dass du was zu essen mitgebracht hast, Ron!“, lobte sie ihren besten Freund dann noch mal, auch wenn ihr immer noch schleierhaft war, warum er heute so lieb zu ihr war. „Wir können dann auch Hagrid was davon anbieten … und er verschont uns vielleicht mit seinen Felsenkeksen.“, fügte sie flüsternd hinzu und kicherte sogar ein bisschen. „Wir haben ihn echt lange nicht gesehen!“, sagte sie dann wieder ernster. „Danach können wir immer noch zum See gehen …“, überlegte sie weiter und korrigierte sich dann aber hastig. „Aber dafür wird sicher eh keine Zeit mehr übrig sein. Ich darf die Prüfung auf keinen Fall verpassen, hörst! Du musst mit mir einen Blick auf die Uhr haben.“, sagte sie eindringlich zu Ron und setzte sich dann an seiner Seite in Bewegung. Kurz überlegte sie, ob sie sich bei ihm vielleicht einhaken sollte, aber dann kam ihr das doch höchst komisch vor und sie befiel ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend, fast so etwas wie Nervosität. Wie blöd!
„Merkwürdig mit Harry. Vielleicht ist er ja in der Bibliothek. Oder meinst du … könntest du dir vorstellen, dass er mit Ginny zusammen ist? Und deswegen so unauffindbar ist?“, griff sie dann noch mal das Thema ihres gemeinsamen besten Freundes ziemlich ins Blaue ratend aufgriff, während sie ihre Tasche zurechtrückte und irritiert das Buch in ihren Händen anstarrte. Die Rune hatte sie jetzt schon halb vergessen. Ron leistete ganze Arbeit! Er verbot ihr nun auch, in das Buch zu gucken und sah sie dabei so streng an, wie sie es sonst tat, was Hermine zum Lachen brachte. Spielerisch schlug sie Ron mit Zaubermanns Silbertabelle auf den Arm, denn sie war zu klein, um ihm damit einen Klaps auf den Kopf zu gehen. Ron war ja ziemlich groß geworden – groß und ein bisschen schlaksig, aber eigentlich gefiel das Hermine ganz gut.
Verwirrt ob ihrer eigenen Gedanken, stopfte sie das Buch abwesend und etwas nachlässig in die Tasche zurück und folgte Ron über die Ländereien hinunter zu Hagrids Hütte. Dort angekommen zögerte sie nicht lange und klopfte gegen das massive Holz. „Hagrid? Hagrid bist du da?“, rief Hermine leise, tauschte einen Blick mit Ron aus und setzte dann ein strahlendes Lächeln auf, als sich die Tür öffnete. Hagids bärtige Erscheinung schob sich ihnen entgegen, er verharrte nicht auf der Schwelle, sondern schien gerade auf dem Sprung zu sein. Fang war an seiner Seite und ein Fuchsfell sowie eine Flinte lagen über seiner Schulter. „Oh, stören wir?“, fragte Hermine weiter und ein bisschen enttäuscht. „Ach, ihr seids!“, brummte Hagrid und verzog den Mund zu einem herzlichen Lächeln. „Bin auf’m Sprung. Viel zu tun die Tage. Ziemlich viele Kämpfe im Verbotenen Wald. Die Zentauren liegen im Clinch mit ein paar Thestralen. Geht um den Mond, ungünstige Konstellationen und Todesvoraussagen und so.“, brummte er vor sich hin, schüttelte den Kopf. „Muss zwischen denen vermitteln. Ihr könnt aber ruhig reinkommen und ‚ne schöne Tasse Tee trinken, Kinder! Bin bald wieder da! Frische Felsenkekse gibt’s auch!“, lockerte er ein bisschen, zwinkerte ihnen zu, holte mit einer Hand aus, um Ron einen Klaps auf die Schulter zu verpassen, war kurz davor, Hermines Frisur zu zerstören und stapfte dann in Richtung Wald. „Schön, sollen wir?“, fragte Hermine also wieder an Ron gewandt, wartete die Antwort gar nicht richtig ab, sondern marschierte in die vertraute Hütte, in der es ein bisschen zu warm war, da trotz sommerlicher Temperaturen ein kleines Feuer im Kamin brannte.