20.12.2018, 20:00 - Wörter:
Die Ruine
am 01.01.1970
TONIGHT I’M GONNA HAVE MYSELF A REAL GOOD TIME
I FEEL ALIVE AND THE WORLD I’LL TURN IT INSIDE OUT
AND FLOATING AROUND IN ECSTASY SO DON’T STOP ME NOW
AMELIA&JACOB | 31. OKTOBER

Es war gewagt gewesen, Jacob zu dieser Halloweenfeier einzuladen, das wusste Amelia. Denn er war wirklich kein Typ für diese Sorte von Parties und eigentlich hatte sie ihn eher mit seiner Freundin auf einer High-Society-Party erwartet, trotzdem hatte sie es auf einen Versuch ankommen lassen. Da Lexie als Organisatorin des Ganzen wahrscheinlich eh den ganzen Abend beschäftigt war und sich auch mit irgendjemandem dort treffen wollte, hatte sie eine alternative Begleitung gesucht. Und er hatte tatsächlich zugesagt. Zwar war Jacobs Kostüm nicht sonderlich einfallsreich, wie sie bei seiner Ankunft feststellen musste, aber das war ihr eigentlich auch egal. Es passte irgendwie zu ihm und mit einem Schlumpf oder ähnlichem wäre sie auch nur sehr ungerne auf der Halloweenfeier aufgetaucht.
Während Jacob ihnen Getränke holte, begrüßte Amelia kurz ihre Mitbewohnerin und ein paar andere bekannte Gesichter. Dann wandte sie sich wieder voll und ganz ihrer Begleitung zu. „Auf einen schönen Abend!“, wiederholte sie lächelnd und stieß mit ihm an. Als sie sein Gesicht sah, nachdem er an dem Cocktail genippt hatte, musste sie leise lachen. „Nicht so dein Fall? Vielleicht sollte ich meinen Bruder beauftragen, das nächste Mal etwas edlere Getränke zu bestellen…“, erklärte sie grinsend und nickte hinüber zu dem jungen Kerl an der Bar, der als Henker verkleidet war. Sie wollte weniger an das Thema Geschwister anknüpfen als viel mehr an ihre erste Begegnung, die mit einem ähnlich leidigen Ausdruck seitens Jacob über die Getränke begonnen hatte. Wahrscheinlich traute er sich demnächst gar nicht mehr in Locations außerhalb der eigenen Komfortzone. Umso schöner war es, dass er heute mit ihr hier war. Wenngleich er sie im nächsten Moment auch gleich fragte, warum sie ihn überhaupt eingeladen hatte. Sie lachte gelassen. „Wieso denn nicht? Ich verbringe gerne Zeit mit dir…“, gab sie unumwunden zu. Sie war zwar nicht der Typ, der anderen Frauen den Mann ausspannte, aber offenbar war er heute doch auch lieber hier als mit seiner Freundin. Oder nicht? Sicher war sich Amelia da nicht, denn seine nächsten Fragen ließen vermuten, sie wäre mit ihrem schwulen besten Freund hier oder sowas. Amüsiert und verwundert zugleich hob sie beide Augenbrauen. „Habe ich auf dich den Eindruck gemacht, ich wäre auf Männerfang?“, fragte sie belustigt. Obwohl sie sich jetzt schon ein paarmal getroffen hatten und Amelia glaubte, er sei ihr sehr ähnlich, verwunderte er sie doch noch das ein oder andere Mal.
Sein besorgtes Umsehen und die Nachfrage nach seiner Seriosität überraschten sie hingegen gar nicht. Dennoch musste sie schmunzeln. „Du siehst toll aus“, meinte sie ehrlich und zupfte begeistert an seinem Heilerkittel. „Das ist eine Halloweenfeier, da kümmert sich keiner um die Geschäfte. In einer Stunde sind die meisten wahrscheinlich eh zu betrunken, um dich überhaupt zu erkennen…“, versuchte sie ihn zu beruhigen. Wobei ihn die Aussicht auf einen Haufen Betrunkener wohl eher weniger beruhigte. Aber wenn sie als Aurorin als Rotkäppchen herumlaufen konnte, war an seiner Seriosität nichts auszusetzen.
