10.03.2019, 11:29 - Wörter:
Wohnzimmer
am 01.01.1970
Florence bittet James um Hilfe | Sonntag, 1. November | nachmittags
Florence war sich kurz unsicher, ob sie sich vielleicht übergeben musste. Von der Ohnmachtsattacke oder von der Feststellung, dass sie von James gestützt und halb getragen werden musste, das war eigentlich beides gleich schlimm und schon allein ein Grund um sich zu übergeben. Von dem Zeitpunkt an, da sie wusste, dass sie schwanger war, hatte sie sich so sehr vorgenommen eine Power-Schwangere zu sein und der Welt zu beweisen, dass einen dieser Zustand von nichts abhalten musste und hatte sich schon vorgestellt, wie sie Kunden, die ihren Bauch anglotzen würden, direkt einen fiesen Fluch aufhetzte. Sie hatte einfach wirklich nicht damit gerechnet, dass schwanger sein für sie bedeutete, die Wohnung einfach überhaupt nicht mehr verlassen zu können. Oder halbfremde Männer, von denen sie nicht geplant hatte mehr als ein bisschen Spaß und guten Sex zu wollen, um Hilfe bitten zu müssen. Dabei bewies James auch jetzt wieder, dass er einfach ein netter Mensch zu sein schien und Florence wusste gar nicht, ob es das nicht noch schlimmer machte. Aber sie hatte auch einfach gerade keine Wahl und vielleicht sollte sie sich da auch mal zusammenreißen, immerhin hätte es ja auch wirklich schlimmer kommen können als mit James in dieser Situation. Er war sogar so schrecklich nett und versuchte den Zustand ihrer Wohnung (und ihrer selbst) herunterzuspielen und einen Scherz zu machen. Sie rang sich ein halb verzweifeltes „hmpff“ ab. „Wie viele Schwangere kennst du so?“, fragte sie dann gleich hinterher, denn vielleicht hatte er ja echt Ahnung und war so ein Gutmensch, dass er in seiner Freizeit immer schwangeren Frauen in Not half. Florence hatte sonst wirklich keine Probleme damit ihre Wohnung auf Vordermann zu halten, eigentlich hatte sie bisher auch keine Probleme damit ihr Leben auf Vordermann zu halten, aber das schien dieses Kind in ihr ändern zu wollen. „Wirklich beruhigend, da bin ich ja noch richtig gut drab“, erwiderte sie trocken auf James nächsten Aufheiterungsversuch, rang sich dann aber doch ein schwaches Lächeln ab. So sehr sie alles daran hasste, dass er jetzt hier sein musste, konnte sie sich auch dem Gefühl nicht erwehren ein bisschen erleichtert zu sein. „Bisher macht es eher den Anschein, als würde es ein Poltergeist werden“, sagte sie und strich sich geistesabwesend über den Bauch, während sie sich erschöpft wieder in die Sofakissen sinken ließ, die sie die letzten Tage schon fast durchgängig beherbergt hatten. Sein Angebot winkte sie ab und kramte stattdessen nach ihrem Zauberstab um sich aus dem Wasserkrug neben dem Sofa etwas in ein Glas einzuschenken. Er sollte sehen, dass sie immerhin dazu in der Lage war. Sie trank ein paar Schlucke und beeilte sich dann gleich weitersprechen, ehe sie die nächste Stimmungsschwankung überkam und sie ihn entweder wild beschimpfte oder heulend in den Armen lag. Gerade traute sie sich und ihrem Bauch da wirklich nicht über den Weg.
Im Prinzip hatte sie ja schon geahnt, dass James kein übler Typ war. Deswegen hatte sie ja auch wirklich gern Zeit mit ihm verbracht und sich auch mehr als einmal mit ihm abgegeben. Und auch jetzt enttäuschte er sie da echt nicht, war aufmerksam und bot ihr sofort seine Hilfe an. Er konnte ja nichts dafür, dass Hilfsbereitschaft ihre schlimmster Alptraum war und sie es begrüßt hätte, wenn er ein bisschen mehr Arschloch gewesen wäre. Aber so zwang er sie immerhin nicht zu betteln, dann wäre sie vielleicht lieber hier auf diesem Sofa dahingesiecht. „Danke“, rang sie sich also erstmal ab um seine Angebot da zu würdigen. „Ich habe dir ja gesagt, dass für dich keine Verpflichtungen entstehen und das gilt auch weiterhin. Aber es gibt Dinge, die ich allein gerade nicht schaffen kann und die nutzlosen Heiler haben dafür keine andere Lösung, als mir ein Bett im Mungos anzubieten, was auf gar keinen Fall in Frage kommt“, sprach sie weiter und ihr Blick verdunkelte sich für einen Moment bei dem Gedanken, jeden Morgen von einem furchtbar gut gelaunten Pfleger geweckt zu werden. Da würde es eventuell Tote geben. „Ich… kann mich gerade nicht besonders gut fortbewegen, meine Beine, na ja, du hast es gerade mitbekommen und ich will dich mit den Schwächen meines schwangeren Körpers auch nicht weiter langweilen, aber heben und tragen geht auch nicht gerade gut und auch wenn ich sowas mit Magie zu regeln pflege, so scheint auch das nicht so zuverlässig zu funktionieren mit einem Poltergeist im Bauch.“ Sie machte eine kurze Pause. „Also wenn es dir nichts ausmachen würde, vielleicht ab und an mal etwas einzukaufen oder mich dabei zu unterstützen hier…“, sie sah auf die leeren Pizzakartons neben dem Sofa und spürte wie sich alles in ihr dagegen wehrte, gerade so wenig im Griff zu haben, „… hier für Ordnung zu sorgen. Und.“ Sie holte noch mal Luft, am besten ratterte sie gleich alles ab. „Ich muss ein paar Termine bei den Heilern wahrnehmen. Ich will nicht, dass du meine Hand hältst oder ähnlichen Quatsch, nur, wenn du mich bis hin begleiten könntest. Quasi sicher stellen, dass ich dort ankomme und nicht vorher umfalle.“ Sie musste sich wirklich sehr zusammenreißen ihn jetzt anzusehen. „Natürlich nur wenn es deine Zeit und deine Arbeit erlauben.“
