16.03.2019, 16:10 - Wörter:
Die Ruine
am 01.01.1970
TONIGHT I’M GONNA HAVE MYSELF A REAL GOOD TIME
I FEEL ALIVE AND THE WORLD I’LL TURN IT INSIDE OUT
AND FLOATING AROUND IN ECSTASY SO DON’T STOP ME NOW
AMELIA&JACOB | 31. OKTOBER

Amelia zuckte schmunzelnd mit den Schultern. „Das habe ich auch schon festgestellt…“, erwiderte sie, immerhin hatte Jacob das Getränk bei ihrer ersten Begegnung dem Gesichtsausdruck nach am liebsten wieder ausgespuckt. Und die Weinsammlung in seiner Wohnung zeugte ebenfalls von einem ausgezeichneten Geschmack. Trotzdem war er hier und das freute die Brünette. „Ja, er arbeitet normalerweise in dem Irish Pub in der Winkelgasse…“, erklärte die Fenwick. Wahrscheinlich noch ein Etablissement, um das er normalerweise einen Bogen machen würde, ebenso wie um den Tropfenden Kessel. „Das kann ich auch später noch machen, es wäre doch etwas unhöflich direkt wieder zu verschwinden. Oder möchtest du ihn kennen lernen?“, fragte sie leicht unsicher nach. Das hätte sie jetzt weniger erwartet, aber Jacob war offenbar für Überraschungen gut. Oder er fühlte sich grade etwas fehl am Platz und versuchte die Lage zu beurteilen, jedenfalls klangen seine Fragen ganz danach. Hatte sie ihn und die Situation so falsch eingeschätzt? Noch ließ Amelia sich jedoch nicht verunsichern und nahm seine Nachfragen gelassen. „Das stimmt, aber das muss man ja auch nicht, wenn die Chemie stimmt, oder?!“, erwiderte sie direkt und musste über seine nächste Vermutung wieder schmunzeln. „In Amerika ist es vermutlich noch etwas ausgeprägter…“, erklärte sie mit einem Tonfall, der deutlich machte, dass sie sicherlich keine von diesen Frauen war, die sich an Halloween mit kurzem Fummel an den Hals des erstbesten gutaussehenden Uniformierten schmissen. Schon gar nicht, wenn man einen als Begleitung dabei hatte. „Wärest du denn ein guter Wingman?“, fragte Amelia scherzend nach. Immerhin hatte er bei ihrem ersten Treffen von seiner Menschenkenntnis geprahlt. Wer wusste schon, was Jacob aus der Kostümierung der anwesenden Gäste herauslesen konnte?!
Was er als Außenstehender wohl zu seinem eigenen Heiler-Kostüm gesagt hätte? Offenbar bereitete ihm das momentan tatsächlich die größten Sorgen, doch mit ein wenig Bauchpinselei konnte Amelia ihn hoffentlich wieder beruhigen. „Sehr toll sogar“, erwiderte die brünette Hexe selbstbewusst und nickte. „Es ist absolut nichts dabei….“, fügte sie dann noch schmunzelnd an, „es sei denn, du landest am Ende tanzend und johlend auf einem Tisch.“ Wenn er dabei noch Umhang und Uniform in die Gästereihen schmeißen würde, wären die anwesenden Damen sicher begeistert. Auch wenn ihm seine seriösen Kunden sicher lieber waren, könnte das vielleicht sogar eine gute Werbung sein. Aber diesen Gedanken behielt sie mal für sich, der arme Kerl machte sich schon genug Sorgen um sein Image. Und offenbar auch um die Frage, warum er heute hier war. Was wollte er denn hören? „Naja, alle, mit denen ich gerne Zeit verbringe, sind hier… Meine beste Freundin ist beispielsweise die Veranstalterin der Party“, erklärte sie, auch wenn das etwas kläglich klang. Viele weitere Beispiele konnte sie allerdings nicht anführen, denn viele Leute, mit denen sie gerne ihre Zeit verbrachte, waren da tatsächlich nicht. Und der Rest war entweder untergetaucht oder auf dieser Feier sicher nicht erwünscht. Amelia seufzte innerlich. Sie war sich nicht sicher, ob Jacob das als Erklärung ausreichen würde, deshalb nippte sie kurz an ihrem Drink, ehe sie ein wenig auf Konfrontationskurs ging, getreu dem Motto: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. „Ich mag dich, auch wenn wir uns noch nicht so lange kennen. Und du bist ja heute auch gekommen, statt mit deiner Freundin auf eine High-Society oder Firmenfeier oder sowas zu gehen…“ Nun war sie es, die neugierig fragend die Augenbrauen gehoben hatte und ihn abwartend anblickte.
