28.04.2019, 15:37 - Wörter:
Wohnzimmer
am 01.01.1970
Florence bittet James um Hilfe | Sonntag, 1. November | nachmittags
Immerhin schien James Schwangerenbetreuung nicht als Hobby zu pflegen und obwohl Florence keine Informationen über seine Familienverhältnisse hatte (oder wollte), hatte sie von ihren bisherigen Gesprächen nicht den Eindruck, dass James sich täglich mit vielen Babys oder Kindern von Schwestern und Brüdern umgab. Das war ja eher in Florence eigener Familie der Fall und wenn sie denen schon mal eine Eule geschickt hätte, dann wären da garantiert auch schon einige vorbeigeschneit, ihre Mutter als erstes. Aber auch dazu war sie bisher zu stolz gewesen, denn in ihrer Familie bekam man Kinder eher nebenbei und sie hatte bisher noch bei keinem mitbekommen, dass man dazu nutzlos auf der Couch herumliegen und einen jämmerlichen Eindruck vermitteln musste. Geschweige denn Fremde (was schon ein merkwürdiger Begriff für den Kindsvater war) um Hilfe bitten.
Da war James vielleicht noch das kleinere Übel und Florence begann sich sogar ein kleines bisschen zu entspannen, weil er bisher einfach nett reagierte und kein großes Drama fabrizierte. Das tat sie am ehesten selbst oder eben der Poltergeist in ihr. Sie zuckte etwas unschlüssig mit den Schultern. „Tja, offenbar kann man sich das nicht aussuchen. Das sagen die Heiler zumindest und sie sagen auch, dass es man es als Schwangere nur schlimmer machen kann, wenn man es zu verbissen sieht. Allerdings waren die meisten Männer und ich hätte sie gern mal gefragt, wie unverbissen sie das sehen würden, wenn sie einen Winzling in sich trügen, der verhindert dass sie zur Arbeit gehen und Geld verdienen können“, erzählte von einem ihrer letzten Besuche im Mungos. Auf Befehl zu entspannen und vor allem hinzunehmen, dass sie auf etwas keinen Einfluss hatte, war wirklich nicht so ihr Ding. „Ich muss die Situation wohl gerade so hinnehmen, wie sie ist und ehrlich gesagt gefällt mir das nicht besonders gut“, sagte sie dann doch ziemlich ehrlich.
Das war ja auch eine gute Vorübung für die ehrlichen Bitten, die sie dann an James richtete. Dabei achtete sie vor allem darauf ihm klar zu machen, dass sie darüber hinaus nichts von ihm erwartete, was mit seiner Vaterschaft für das Kind zu tun hatte, dachte allerdings, dass das auch ganz in James Sinne wäre. In Florence Kopf würde James sowieso kein Interesse an diesem Kind zeigen, das durch Zufall entstanden war. Jetzt und hier enttäuschte er sie jedenfalls nicht und Florence musste kurz schlucken, weil er es so klingen ließ, als wäre das das normalste von der Welt, dass er einer erwachsenen Frau, die er wenig kannte, im Haushalt und beim einkaufen half. Florence fühlte sich plötzlich sehr alt und gebrechlich. „Das ist wirklich… nett von dir“, erwiderte sie noch etwas zögerlich. „Der nächste Vorsorgetermin ist in zwei Wochen“, sagte sie, „da schauen sie dann ob es wirklich ein Mensch ist und dann kann man wohl auch schon sagen Junge oder Mädchen.“ Sie versuchte da möglichst beiläufig zu klingen. Sie folgte seinem Blick durch die Wohnung und befand, dass sie dieses Angebot besser nicht abschlagen sollte, wer wusste, wann James wiederkommen würde und ob sie bis dahin nicht in Pizzakartons erstickt wäre. „Ja bitte“, sagte sie also und spürte, wie ihr ein kleiner Stein vom Herzen fiel, als James seinen Zauberstab schwang und ihre Wohnung, bzw. der Müll darin in Bewegung kam. „Das ist wirklich eine Hilfe, hast du das gewusst, dass sie Schwangerschaft sogar die magischen Fähigkeiten beeinflussen kann?“, fragte sie, während ein paar Taschentücher an ihr vorbeischwebten. Sie angelte nach einem losen Stück Pergament und einer Feder und kritzelte ein paar Grundnahrungsmittel darauf, hielt kurz inne und beäugte James, ehe sie die Schultern zuckte und auch Meerrettich, Erdnussbutter, Sirup mit Eierlikörgeschmack, Pfefferminztörtchen und eingelegte Silberzwiebeln aufschrieb. Das würde ihn vermutlich auch nicht mehr abschrecken, sagte sie sich und übergab ihm die Liste.
