MITSCHRIFTEN ÜBER MALEDICTI
GRUNDLAGEN DES MALEDICTUS FLUCHS
1. WIE WIRD MAN ZUM MALEDICTUS?
Es gibt zwei Möglichkeiten zum Maledictus zu werden: Die meisten Maledicti werden als solche geboren, wobei der Fluch von Mutter an Tochter weitergegeben wird - und das ohne Ausnahme. Es ist unklar, weshalb der Fluch nicht an Männer übertragen wird, fest steht jedoch, dass der Fluch dann gebrochen wird, wenn ein männliches Kind in der Linie geboren wird, denn: Männer können auch keine Konduktoren (also Träger ohne Ausprägung) sein. Eine Enkelin eines Maledictus trägt also nur dann den Blutfluch, wenn es sich dabei um die Mutter ihrer Mutter handelt.
Die zweite Möglichkeit ist selbstredend mit dem Blutfluch im Laufe seines Lebens belegt zu werden. Wie genau dieser Fluch gesprochen wird, ist nicht bekannt, es gibt dazu keine bekannten Aufzeichnungen. Es erscheint jedoch logisch, dass eine verfluchte Familie einen ‚Patient Null‘ haben muss - ganz gleich wie lange dieser Umstand nun schon her ist.
Von dem Fluch des Maledictus betroffen sein können im Übrigen nicht nur Hexen - auch Muggel und Squibs scheinen diesen Blutzauber in sich zu tragen. Handelt es sich bei der Trägerin des Fluches um eine nicht-magische Person, erhält sie durch den Fluch gewisse magische Fähigkeiten, die ihr erlauben neben der Tierverwandlung den ein oder anderen simplen Zauber zu sprechen - wenn auch ein Zauberstab diese Hexen nicht auswählen würde. Experten der Blutfuchforschung gehen (wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht) entsprechend davon aus, dass Maledicti unter anderem ein Resultat der Reinblutideologie sind und aus Familien entstanden sind, die sich mithilfe dunkler Magie bemühten eine Squib in den eigenen Reihen zu vertuschen.
2. WAS IST EIN MALEDICTUS?
Maledicti, die in der Einzahl eigentlich Maledicta heißen müssten, sind bisher doch ausschließlich weibliche Betroffene bekannt, sind magische Wesen die in der Lage sind, sich in eine Tiergestalt zu verwandeln. Diese Verwandlungen erfolgen teils kontrolliert und willentlich, genauso oft kommen, insbesondere im Kindesalter, aber auch unwillentliche Verwandlungen vor. Dabei sind Maledicti scharf von Werwölfen und Animagi abzugrenzen, auch wenn es durchaus zu beiden Parallelen gibt.
ABGRENZUNG ZU ANIMAGI
Gemein haben Animagi und Maledicti, dass ihre jeweilige Tiergestalt nicht ausgesucht wird. Auch bei Maledicti zeigt sich erst mit der ersten Verwandlung, welche Tiergestalt sie besitzen, sodass die Gestalten von Mutter und Tochter höchst unterschiedlich sein können. Man vermutet hier, ähnlich wie bei Patroni und Animagi-Gestalten, dass es sich bei der Manifestation der Gestalt um das jeweiligen Seelentier der Person handelt. Konkrete Forschungen dazu, ob sich die Maledictus-Gestalt wie der Patronuszauber im Laufe des Lebens verändern können, gibt es jedoch nicht.
Während Maledicti sich nach ihrer ersten Verwandlung - die bei geborenen Maledicti meist im selben Alter stattfindet wie der erste Spontanzauber bei Hexen - grundsätzlich willentlich verwandeln können, sind sie von den Animagi durch drei wesentliche Aspekte zu unterscheiden:
Erstens können Maledicti sich auch ohne ihren Zauberstab verwandeln und benötigen diesen ebenfalls nicht, um sich zurück zu verwandeln. Zweitens sind Maledicti in der Lage (ob nun kontrolliert oder nicht) sich auch nur teilweise in ihre Tiergestalt zu verwandeln, was ihren menschlichen Gestalten bisweilen tierische Züge gibt. Das gilt selbstredend nur so lange, wie sie überhaupt noch Kontrolle darüber habenn, denn - und hier liegt der dritte Unterschied - Maledicti sind dazu verdammt, sich eines Tages in ihre Tiergestalt zu verwandeln ohne in ihre menschliche Gestalt zurückkehren zu können. Wann diese finale Verwandlung stattfindet scheint dabei höchst unterschiedlich zu sein, sodass manche Maledicti sich bereits im Jugendalter final verwandeln, während andere erst als hochbetagte Hexe in ihre Tiergestalt wechseln. Im Übrigen: Die Lebensspanne einer Maledicti verändert sich durch die permanente Verwandlung ebenso wenig wie ihr Geist. Das macht sie nicht nur zu sehr langlebigen Tieren, sondern auch zu gewählten Gefährten von anderen Hexen und Zauberer, die der Leglimentik oder - im Fall von Schlangen-Maledicti - des Parsel mächtig sind.
ABGRENZUNG ZU WERWÖLFEN
Die Gemeinsamkeit zu Werwölfen lässt sich wohl in der Unfreiwilligkeit der Situation aber auch einzelner Verwandlungen finden. Maledicti verwandeln sich jedoch nicht ausschließlich zu einer bestimmten Mondphase oder Wetterlage. Die Gründe für eine unfreiwillige Verwandlung können ganz unterschiedlicher Natur sein, meist jedoch sind starke Emotionen im Spiel. Gleichzeitig sind Maledicti nicht in der Lage ihren Fluch durch einen Biss oder Kratzer zu übertragen. Ein Mensch, der von einem Maledictus in seiner Tiergestalt gebissen wird, ist genau das: Ein Mensch, der von einem Tier gebissen wurde. Ob das Blut eines Maledictus ansteckend sein kann, ist bisher noch nicht erforscht.
Die Verwandlung in die jeweilige Tiergestalt ist für Maledicti im Übrigen in aller Regel schmerzfrei. Manche Maledicti beschreiben einen dumpfen Druck oder ein Ziehen bei Veränderung der Körperattribute, im Allgemeinen jedoch ist der Verwandlungsprozess hier eher mit dem der Animagi zu vergleichen.
3. EINSCHRÄNKUNGEN IM ALLTAG
Neben der offensichtlichen, allerdings sehr unpräzisen Einschränkung eines Tages ohne Vorwarnung seine menschliche Gestalt zu verlieren, sind es vor allem wohl die unkontrollierten (Teil-) Verwandlungen, die für die betroffenen Maledicti eine Problematik darstellen. Nicht immer können diese nämlich so schnell wieder rückgängig gemacht werden, wie sie beschworen wurden, sodass es manchmal Stunden oder Tage dauert, bis eine vollständige Rückverwandlung möglich ist.
Weiterhin haben Maledicti, ähnlich wie Werwölfe und andere Blutverfluchte, im Allgemeinen keinen guten Ruf in der magischen Welt. Ihre Magie ist unberechenbar, ihr Blut potenziell gefährlich und gerade auch die unkontrollierten Verwandlungen in emotionalen Momenten machen die betroffenen Frauen meist zu höchstens belächelten Außenseiterinnen. Eine Parallele zur Muggelwelt lässt sich hier - ironischerweise - zu der Muggel-Betrachtung der vermeintlichen Hexen und Kräuterfrauen finden: Irgendwo zwischen Argwohn und Akzeptanz, zwischen misogyn-blutrassistischen Vorurteilen und Bewunderung für die Fertigkeiten der jeweiligen Frauen ist die Reaktion anderer Menschen wohl eine Frage der Geisteshaltung des jeweiligen Gegenübers.
Betroffene Kinder und Jugendliche sind, ähnlich wie Werwölfe, ebenfalls mit der Komplikation geeigneter Bildungschancen konfrontiert. Konservativere Schulen mögen die betroffenen Mädchen grundsätzlich von der Aufnahme ausschließen, während eher offenere Einrichtungen sich unter gewissen Voraussetzungen dazu bereit erklären könnten. Bewährt im Umgang mit Maledicti hat sich hier die Vergabe eines morgendlichen Beruhigungstrankes, der zum einen unerwünschte Verwandlungen durch ein abdämpfen der Emotionen zu vermeiden und zum anderen im Falle einer solchen Verwandlung aggressive Reaktionen verhindert. Vergleichsweise lässt sich hier eine Parallele zu von AD(H)S betroffenen Kindern ziehen, die unter entsprechende Medikation gesetzt werden. Bei langfristiger Einnahme eines Beruhigungstranks erfolgen dann allerdings natürlich ebenso die entsprechenden Nebenwirkungen - Müdigkeit, Desinteresse, depressive Tendenzen.
3. VERBREITUNG VON MALEDICTI
Ebenso wie bei Werwölfen und Animagi führt zumindest das britische Ministerium in der Abteilung für magische Tierwesen auch ein Register für Maledicti. Diese Liste ist aber allein aufgrund der Seltenheit des Fluchs entsprechend leer. Sich als Maledicti nicht registrieren zu lassen, gestaltet sich im Übrigen als deutlich schwieriger als bei Animagi oder Werwölfen, ist aber nicht grundsätzlich unmöglich.
LINDERUNG UND HEILUNG
Für den Maledictus-Fluch gibt es derzeit keine bekannte Heilmethode. Linderung versprechen, zumindest für die unkontrollierten Verwandlungen, die gängigen Beruhigungstränke der Zaubererwelt. Vollständig ausgeschlossen werden Verwandlungen damit allerdings nicht. Insbesondere außerhalb Europas finden sich einige Riten und Bauernweisheiten dazu, wie der Fluch zu verlangsamen oder zu heilen sei. Diese reichen von Ernährungs- und Lebensvorschriften über den Konsum fragwürdiger Kräuter bis hin zu dunklen Blutopfern. Wirklich wirksam scheint jedoch keine davon zu sein.