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IMMER!
HERZLICH WILLKOMMEN IM A MAGICAL LIFE. WIR SIND EIN MAGISCHES RPG, DAS SEIT DEM 06. NOVEMBER 2006 BESTEHT UND URSPRÜNGLICH AUF EINER BELIEBTEN SIEBENTEILIGEN BÜCHERREIHE UM EINEN JUNGEN ZAUBERLEHRLING BASIERTE. INZWISCHEN SPIELEN WIR NACH EIGENER STORYLINE IN DEN POLITISCHEN WIRRUNGEN ZWISCHEN VORHERRSCHAFT DES ALTHERGEBRACHTEN UND HUNGER AUF UMBRUCH, SIND IM DISCORD ZEITALTER ANGEKOMMEN UND BIETEN EINEM BUNTEN HAUFEN AN CHARAKTER- UND STORYIDEEN EIN ZUHAUSE. WIR FREUEN UNS IMMER ÜBER ZUWACHS <3
Splitter, der Orden und die ehemaligen Todesser haben den gemeinsamen Feind Atlas Yaxley, bekämpfen sich aber auch gegenseitig – jede Gruppierung strebt auf ihre Art nach Macht. Eine Übersicht über die aktuellen politischen Wirrungen findet ihr HIER
Reinblüter:innen und Todesser:innen fühlen sich in diesen Zeiten eindeutig zu sicher in ihren eigenen Wohnzimmern und das will Splitter ändern. Deshalb planen sie eine ausdrucksstarke Aktion mit Bomben durch das Flohnetzwerk. » NEUGIERIG?
Eine Quidditchbenefizveranstaltung auf Hogwarts während der Sommerpause der Saison soll neue Spenden für das Schloss generieren. Es gibt Häppchen, Konfetti und gut gelaunte C-Sportler. » NEUGIERIG?
1. Juli - 31. August 1999 » [ Zum Kalender ]
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Die Wetterfee im Wandel der Zeiten

Wetterfee

Donnerstag, den
01. Juli 1999
bis Dienstag, den
31. August 1999

Sie hatte ja keine andere Wahl gehabt, als sich eine andere Quelle für ihre Informationen zu suchen. Nachdem der Magierfunk in den vergangenen Wochen und nunmehr Monaten kaum mehr über das aktuelle Wetter berichten konnte (die Lage um Bridget und Tom war immer noch kritisch und die finanzielle Situation des Senders ließ beim besten Willen keine Neueinstellungen zu), hatte Sybill erst sporadisch den Tagespropheten zu Rate gezogen, aber die Berichterstattung dort war eine Zumutung gewesen. In der Hexenwoche, die jetzt aus irgendeinem Grund Tweezers hieß (sie hatte am Zeitungsstand eine halbe Stunde gesucht, bis sie der attraktive Verkäufer auf diese Umbenennung aufmerksam gemacht hatte) war die Lage noch schlechter, waren dort nur Bilder von Sonnen und Regentropfen abgedruckt und keinerlei Erklärungen – für eine Wetter Enthusiastin wie Sybill sie war ebenfalls nicht tragbar. Eine Weile hatte sie auch ihren dubiosen Nachbarn befragt, immerhin war der oft draußen bei seinen Kräuterbeeten, aber da der ungern sprach und meist mürrisch wirkte, hatte sie auch das wieder aufgegeben.

Aber eine neue Wetterquelle musste doch her und so hatte sie beim Wochenmarkt in ihrem Dorf Florence aufgesucht. Florence kannte sie schon länger, sie hatte ihr schon dann und wann ausgeholfen: Sie hatte das Geschlecht ihrer vierzehn Enkelkinder ausnahmslos korrekt ausgependelt, hatte ihr ein großes Glück (einen Lottogewinn im Tagespropheten über 2 Galleonen im vergangenen Frühling) und ein großes Unglück (einen undichten Kessel und eine unschöne Schlaftrank-Überflutung bei ihr auf Arbeit, gefolgt von einem zweiwöchigen Schlaf im Mungos) korrekt im Kaffeesatz vorhergesagt. Florence trug wunderschöne Gewänder und langes rotes Haar, sie war zauberhaft und feengleich und Sybill gern in ihrer Gesellschaft und wenn sie doch über alles Bescheid wusste, dann sicher auch über die Wettersituation im Land?

Und so war es auch. Im letzten Monat hatte sie ihr die Tarotkarten gelegt und so korrekt die üblen Sommergewitter, die seit Tagen über das Land rollten, vorhergesagt (wie anders sollte man den Turm, der von einem Blitz trifft, gepaart mit den fünf Kelchen auch interpretieren?!). Sybill erholte sich heute noch davon, das genau vor ihrem Haus ein Baum zersplittert wurde und ihr Bruder in York arbeitete daran, die Quidditchliga zu verklagen, weil er keine Rückerstattung seines Tickets für das abgebrochene Spiel der Falmouth Falcons gegen die Kenmare Kestrels, dem ersten Spiel der Rückrundensaison, bei dem ein Besen vom Blitz getroffen worden war und Feuer gefangen hatte. Florence sagte, dass diese Gewitter sich noch durch den ganzen August zögen, eine ungewöhnliche Wetterlage mit viel Regen und Sturm und eine sehr schlechte Zeit für Gärtner:innen und Outdoor-Enthustiast:innen gleichermaßen. Dafür solle wohl zu Ende August nochmal eine wahre Hitzewelle heranrollen und den Herbst bis zum Oktober aufschieben – Sybill freute sich schon jetzt auf einen kleinen Badetrip nach Cornwall Ende August, wenn sie endlich ihren Ruhestand feiern würde.

Morgen würde sie Florence wieder besuchen, sie hatte noch etliche Fragen bezüglich der sonderbaren Stürme um die schottischen Inseln, auch die Krabben bei Inverness waren noch immer ein großer Aufreger. Sie wollte wissen, ob es wirklich so frisch sein musste im Juli und wann der Rekord für die meisten Gewitter eingestellt war – und sie war sich sicher, dass Florence sie alle beantworten würde.


Wetterfee


Samstag, den
01. Mai 1999
bis Mittwoch, den
30. Juni 1999

„Wie, es gibt diesen Monat kein Wetter?“

„Naja, es gibt schon welches. Wir können nur nicht drüber berichten.“

„Aber wir berichten immer über das Wetter. Das wollen die Menschen hören.“

„Ich weiß. Aber diesmal eben nicht.“

„…“

„Ich könnte stattdessen über meinen Urlaub berichten.“

„…“

„Es gibt ein paar äußerst anreizende Schnappschüsse von mir im Bustier.“

Diese Diskussion im Rahmen der wöchentlichen Redaktionssitzung lief so noch mindestens eine Stunde weiter und am Ende gab es trotzdem kein anderes Fazit als das, was zu Beginn eben auch schon festgestanden hatte: In dieser Woche würde der Radiosender Magierfunk Kultur keine Wettervorhersagen ausstrahlen und auch in der nächsten Woche nicht, genau wie auch in der darauf. Das war ein Eklat sondergleichen, hatte der Sender doch in seiner 465-jährigen Geschichte noch nie auf diesen wichtigen Programmpunkt verzichtet. Nicht, als 1612 die gesamten Räumlichkeiten den Koboldaufständen zum Opfer gefallen waren, nicht als in 1704 die gesamte Redaktion von den Drachenpocken dahingerafft worden war und auch nicht nach der großen Überschwemmung in 1876, als die verantwortliche Redakteurin mit einem kleinen Floß bis zur Isle of Skye gerudert war.

Die Wettervorhersagen des Senders hatten Tradition und waren allen, vor allem auch allen Hörerinnen und Hörern, besonders wichtig, auch wenn die eigentliche Ausrichtung eher anspruchsvoll war – zu den üblichen Programmpunkten gehörten üblicherweise Konzertkritiken, Besprechungen von Theaterstücken (besonders beliebt war die seit Jahrhunderten immer am vierten Mittwoch im November stattfindende Berichterstattung der Theater AG Premiere auf Hogwarts und auch der Bericht vom Theaterfestival in Burundi), jeden Freitag die neuesten Veröffentlichungen aus der Musikwelt (beim letzten Album der Schicksalsschwestern fiel zwei Stunden lang der Sender aus wegen absoluter Überlastung), Echtzeit, das Magazin für Lebensart, in dem Zauberer und Hexen aus aller Welt über die Eigenarten ihrer Kultur berichteten, natürlich auch die Nachrichten, denn auf Politik und Zeitgeschehen wurde beim Magierfunk seit jeher viel Wert gelegt, und dann natürlich auch die wöchentliche Zusammenfassung der aktuellen Stände der Quidditchliga, ohne die noch der größte Sportmuffel nicht leben konnte.

Und dann war da eben noch das Wetter. Dieser kleine, aber feine Einschub zwischendurch, der tägliche Einblick in die harte Realität, die sich auch vor dem größten Unwetter nicht scheute. Der seit Jahrhunderten von Sonne und Regen und abnormen Veränderungen berichtete, der dorthin ging, wo es wehtat. Der Redakteur:innen in Schneestürme, in Flutgebiete, in Dürren und Heuschreckenplagen entsandt. Auf den in Krieg und Krisen und Katastrophen immer Verlass gewesen war.

Aber jetzt, an diesem sonnigen Juni in 1999, da musste der Wetterbericht zum ersten Mal entfallen: Weil Bridget, die das Amt der Wetterfee derzeit innehatte, sich nach ihrem missglückten Date mit Tom, der für die Ausgestaltung der Programmzeit zuständig war, derart zerstritten hatte, dass sich die Fronten im Magierfunk stetig verhärtet hatten und jetzt niemand mehr übrig war, der die Wogen hätte glätten können. Am Ende blieb also nur ein bisschen Eifersucht und Drama und ein kleiner, zerknitterter Zettel mit den folgenden Notizen übrig:

Mai: Sehr warm, sehr trocken, ungewöhnlich wenig Regen (mal recherchieren warum am Strand von Inverness so viele Krabben angespült werden)

Juni: Plötzlich wieder kalt, sehr viel Regen, was soll der Scheiß, viele Sommergewitter um die Mitte des Monats herum (Quidditchliga informieren, sollten auf etwaige Ausfälle und/oder Unwetter-Spiele vorbereitet sein)


[Bild: f5e905376beb91ad53cf5331df55375de9984c75.pnj]

Donnerstag, den
01. April 1999
bis Montag, den
31. Mai 1999

Philomena Pompington arbeitete bereits seit 17 Jahren beim Tagespropheten. Sie war dort sozusagen groß geworden: Mit 17 die Ausbildung, dann ein paar Jahre in der Abteilung zum Faktenchecken und dann, durch einen glücklichen Zufall (jedenfalls wenn man eine missglückte Kur ihrer Kollegin mit einem Faltenfrei-Zaubertrank glücklich nennen wollte), mit nur 22 Jahren kurzfristig aufgestiegen zur federführenden Redakteurin im Ressort Wetter. Jetzt war Philomena schon 34 Jahre alt (und durchdachte selbst manchmal das Thema Faltenfrei-Trank, aber zum Glück hallten da die Erfahrungen von damals noch ausreichend nach) und eine Koryphäe auf ihrem Gebiet. Viele Wetterredakteur*innen hatten mit den Jahren ihr Glück versucht, eine ehemalige Praktikantin hatte es sogar mit einem ganzen Heftchen rund um Wolkenformationen auf dem Printmarkt versucht, war aber kläglich gescheitert. Nur sie war immer noch hier, an ihrem kleinen Schreibtisch in der Redaktion des Propheten. Mittlerweile war er ein bisschen zugemüllt, es gab sehr viele Dekoartikel (ein großer Einhornkopf aus Keramik hing an ihrer Schreibtischlampe, es gab Dosen mit Nusseckenkrümeln, eine nicht mehr ganz intakte Uhr, die ihr eigentlich den Aufenthalt ihrer Schwester zeigen sollte, deren Zeiger aber dauerhaft immer alle auf im Kümmel-Delirium standen, eine Box voller magischem Baumschmuck, der auf seinen Einsatz Ende des Jahres (sie besaß einen künstlichen Weihnachtsbaum, der Jahr für Jahr ihr Büro schmückte) warteten) und noch mehr Pergamentrollen, vollgeschrieben mit alten Kolumnen, alten Wetterberichten, Marktanalysen, zwischendrin auch mal von einer kleinen pikanten Kurzgeschichte über ihre Kollegin Rita, die sie vor einigen Jahren verfasst hatte und sehr vielen Ideenskizzen für die nächsten Jahre. Denn: Sie würde diesen Job hier niemals aufgeben. Nicht, wenn sie alt und schrumplig war, nicht, wenn das Leben ihr vielleicht noch andere Herausforderungen mit auf den Weg geben sollte, auch nicht, wenn jemand ihr ihre Position streitig machen würde.

Sie knackte ihre Knöchel, so wie sie das immer machte, bevor sie ihre Feder zu Pergament brachte, und trank den letzten Schluck ihres Tees, um einen kleinen Blick in die Teeblätter zu werfen. Natürlich waren ihre Vorhersagungen immer messerscharf und präzise (und preisgekrönt: Für genau diesen Skill hatte sie 1985 den Goldenen Cumulo-Nimbus verliehen bekommen, weil sie als einzige Wetterfee des Landes den Hagelsturm über Cornwall im Juni 1984 vorhergesagt hatte) und immer auf wissenschaftlichen Analysen gestützt (ihr Wetter-Almanach mit den Aufzeichnungen der zweiten zweihundert Jahre stand schon ganz abgegriffen hinter ihr im Regal), aber so ein bisschen Wahrsagerei hatte doch noch nie geschadet (sie hatte früher regelmäßig Workshops von Sybill Trelawney besucht, aber seit die ärmste sich ein bisschen zurückgezogen hatte, fehlte ihr ein wenig der Input). Sie nickte wissend und notierte sich, was sie sah (Sturmflut im April? Interessant!), ehe sie nach ihrem Almanach angelte und wie üblich die letzten Aprils der letzten Jahre zu überfliegen.

Philomenas Finger flogen schnell über das Papier, die Feder quietschte ein bisschen und sie ließ sich nicht mal ablenken von ihrer Kollegin, die im Hintergrund beeindruckend laut und schnell die Wörter der bereits eingereichten Artikel zählte, und auch nicht von den anderen beiden Damen zwei Türen weiter, die sich darüber ereiferten, wessen Kontaktannoncen erfolgsbringender waren. Alles, worauf sie gerade achten konnte, waren die schieren Fakten: Dass der April trüber werden würde als gewöhnlich. Dass die Südküste Englands von einer heftigen Sturmflut heimgesucht werden würde, die große Gebiete rum um Plymouth und auch Brighton überfluten würde. Sie schrieb von den dafür allerdings sehr warmen Temperaturen, die Anfang Mai bereits die ersten Mutigen in den Badeteich im Hyde Park treiben würden. Sie referierte dazu, dass dieser Mix aus warmen Temperaturen und heftigen Winden und Stürmen kein Zufall sein konnte, immerhin würde es im April gleich zwei Vollmonde geben, einen am 1. Und einen am 30. April, eine wahnsinnig seltene Kombination (die jedem Werwolf im Land einen Schauer über den Rücken jagen würde). Sie schrieb sich die Finger wund, baute süße kleine Metaphern und Alliterationen und Oxymorone ein und am Ende blickte sie begeistert auf den fertigen Text. Sie hatte mal wieder ein Kunstwerk geschaffen, eine elaborierte Abhandlung zum Wetter, der gleichzeitig auch ein feinfühliger Abgesang auf die Tücken der Menschheit war. Sie ergänzte unter dem Text noch einmal die harten Fakten, garnierte das Ganze mit einem Bild von ihr selbst beim Frühjahres-Anbaden 1992 im Loch Lochy und stand dann auf, um ihre Vorhersagungen an ihre Chefin zu übergeben.

[Bild: 0d8494557e8bda350c771c959bfb7993.jpg]

Montag, den
22. Februar 1999
bis Mittwoch, den
31. März 1999


Für die Geschwister Edward und Edina Everett war der Frühling die beste Zeit im Jahr. Der Frühling, wenn die Temperaturen endlich wieder zweistellig wurden, wenn der letzte Schnee langsam wegtaute, wenn die Sonne sich ein bisschen mehr heraus traute. Und: Wenn sie endlich wieder den Großteil ihrer Tage draußen verbringen konnten. Sie, ihre fünf Hunde, die acht Hühner, die vier Esel und die zweiundzwanzig Schafe. Das Leben in ihrem kleinen Cottage außerhalb des Dartmoors war immer idyllisch, besonders idyllisch wurde es aber zwischen März und Oktober – der Winter war meistens vor allem anstrengend. Deshalb war die Meldung, die Edina heute Morgen im Muggelfernsehen gesehen hatte (sie liebte die Muggelnachrichten, obwohl ihr Bruder fand, dass sich das eigentlich nicht ziemte (aber irgendwie hatte sie was übrig für diese steifen Bilder mit den steifen Engländern in ihren steifen Anzügen davor)), wirklich eine richtig gute Nachricht: Okay, zugegeben, es war immer noch Februar und ja, es wurde jetzt auch nicht unbedingt warm, aber: Der Schnee war passé. Es sollte keine Minusgrade mehr geben (außer bei ihren Freunden oben in den Highlands, aber wie dort das ganze Jahr über leben konnten, das verstand Edina ohnehin nicht!) und zumindest in den nächsten Wochen ein paar stabile Sonnenstunden und feine 9 Grad.

Auch Edward war zufrieden mit den Aussichten auf die kommenden Wochen, auch wenn er seine Informationen der magischen Wochenzeitung Animalische Anblicke entnommen hatte (einer Zeitschrift, die bereits zwei negative Auszeichnungen für ihre Titelwahl gewonnen hatte – denn tatsächlich handelte es sich dabei nicht um ein Heftchen mit nackten Damen und Herren, sondern um ein Abonnement für Mitglieder eines kleinen irischen Tierschutzbundes) – doch auch dort sahen die Prognosen ähnlich aus. Mediokre Temperaturen, grau, aber nicht mehr eisig, nicht mehr so viele Stürme. Sicher, es sollte wohl weiterhin viel regnen – aber mit Regen konnten sie (immerhin waren sie Briten?!) doch sehr gut umgehen. Da störte es ihn nicht mal, dass für den 15. März heftige Unwetter angekündigt waren, mit Niederschlägen ohne Ende und Überflutungswarnungen – er machte sich nur eine mentale Notiz, seinen Mann und ihren Sohn in diesen Tagen nicht in den nächsten Ort fahren zu lassen, sondern sie ganz sicher hier in ihrem großen Elternhaus (das Cottage war schon seit Jahrhunderten im Besitz der Everetts und kam zwar mit der aktuellen Fülle fast an seine Grenzen (wenn Edina nicht bald aufhörte, Kinder auf die Welt zu bringen, dann würden sie anbauen müssen!), aber war dennoch der schönste Ort zum leben für die beiden Geschwister) in Sicherheit wissen wollten.

Eilig zog Edward den Regenmantel vom Haken und fischte auch gleich noch nach dem für seine Schwester – die Kinder und die Männer waren bereits aus dem Haus, waren zur Arbeit und zur Schule gefahren und jetzt waren nur noch sie beide übrig. Wie immer. Edina grinste breit zu ihrem Bruder, zog den großen Sack Leckerlis für die Esel hinter dem Flurschrank hervor. „Wir sollten dringend paar neue Dachziegel auf den Stall hämmern, hast du das mit dem Unwetter gehört?“, warf sie ihm zu, während sie in ihre Gummistiefel schlüpfte. „Sicher, aber wenn’s recht ist, würde ich meinen Zauberstab dafür nehmen, Schwesterherz.“ Und gemeinsam machten sie sich auf in den wohligen Nieselregen, der sanft den britischen Frühling ankündigte.

[Bild: e11f54873cea4d676d8376aba1bc4416.jpg]

Donnerstag, den
21. Januar 1999
bis Sonntag, den
21. Februar 1999

PUDDLERE GEGEN DIE BALLYCASTLE BATS – WER WIRD DEN AUFTAKT FÜR SICH ENTSCHEIDEN?

EXKLUSIV: SO LEBT ERIC WHITEHORN PRIVAT!

SO SÜSS! SO SAHEN UNSERE QUIDDITCHHELDEN ALS KINDER AUS – EINBLICKE IN DIE VERGANGENHEIT VON OLIVER WOOD, AIDAN LYNCH, MARCUS UND ATHENA FLINT UND CO!

BRISANT: WAS LÄUFT DA WIRKLICH ZWISCHEN TROY & QUIGLEY? EIN FREUND PACKT AUS!


Herbert ließ seufzend von der Hexenwoche ab.

Quidditch, überall Quidditch. Auf jeder Ausgabe von gefühlt jeder Zeitung in den letzten Tagen prangten diese Schlagzeilen – scheinbar interessierte sich das Land gerade für nichts anderes mehr. Dabei war das noch nicht mal eine Weltmeisterschaft, sondern nur ein ganz gewöhnliches Liga-Spiel? Und zwar noch nicht mal ein zwischen zwei besonders erfolgreichen Mannschaften? Und wen interessierte es bitte, ob Eric Whitehorn (wer war das überhaupt?) in einem Wohnzimmer eine Einhorn-Statue stehen hatte oder nicht?
Herbert interessierte das alles nicht.

Er hasste Sport. Und vor allem Quidditch. Als muggelgeborener Zauberer war er erst spät mit dieser völlig hirnverbrannten, brutalen Sportart in Kontakt gekommen und heute konnte er sagen: Er wäre okay damit gewesen, wenn er sich niemals hätte damit befassen müssen. Für Herbert war der einzig wahre magische Sport Zauberschach – aber darüber schrieb ja heutzutage keine Zeitung mehr. Das war typisch: Menschen wie Bonny Troy oder Finn Quigley wurden auf allen Zeitungen des Landes aus allen Richtungen fotografiert abgedruckt – aber über die echten Genies, über große Schach-Helden wie Esmeralda Effiong oder Winnifred McWinston sprach niemand?!

Und was eigentlich noch schlimmer war – auch über die ganz alltäglichen Dinge stand nichts mehr in der Zeitung! Die Rezepte von Mathilda Myers (die immer köstlich waren, Herbert hatte schon einige selbst ausprobiert!) waren diese Woche einer Berichterstattung über die perfekte Besenpolitur gewichen (wer, um alles in der Welt, interessierte sich für solche Dinge!?) und in der Bastelecke folgte sogar noch ein DIY für vegane, nachhaltige Politur aus Sheabutter. Es war eine Farce. Und für diesen Schund hatte Herbert 8 Sickel rausgeschmissen?!

Er blätterte trotzdem weiter, was zum einen daran lag, dass es in Herberts Natur lag, sich aufzuregen und zum anderen daran, dass er noch zwei weitere Stunden mit diesem Muggelzug hier würde fahren müssen und er die Zeit einfach irgendwie totschlagen musste. Also blätterte, stöhnte noch drei Mal über Modestrecken angesagter Sportumhänge (???), ziemlich aufreizende Fotos von Naomi Nkrumah, bis er schließlich, endlich, einen Hoffnungsschimmer entdeckte: Das Wetter.

Endlich ein normales Thema! Begierig stürzte sich Herbert auf die heilsame Doppelseite mit Schaubildern und blinkenden Schneeflocken und studierte jedes Wort vielleicht ein bisschen zu intensiv (denn für Wetter interessierte er sich eigentlich auch nicht) – er freute sich ungemein darüber, dass der Januar mit viel Sonne und klarer, kalter Luft ausklingen würde und dass es im Februar auch noch nicht bedeutend wärmer werden sollte (Herbert war ein Winterfan). Er las aufgeregt den sehr interessanten, wirklich großen Artikel darüber, dass dieser Winter der schneereichste Winter in Großbritannien seit 24 Jahren war und er kicherte sogar ein bisschen über die wirklich heitere, sehr bildhafte Beschreibung der Kolumnistin Rita Riterson, die auf dem Ben Nevis die Schneequalität überprüft hatte (und zu einem wirklich schockierenden Ergebnis gekommen war).

Mit dem Zeigefinger fuhr er über die Temperaturanzeige (die beständig bei um die 4 Grad lag – das war wirklich ein wahres Winterfest!) und liebevoll stupste er gegen die Infobox, die Drei Tipps für den richtigen Aufwärmzauber – so schützen Sie sich und Ihre Lieben vor Gefrierbrand an den Zehen! proklamierte (die würde er ausschneiden und seiner Mutter schicken).

Nach einer geschlagenen halben Stunde hatte er jeden Buchstaben auf dieser Seite gelesen und er freute sich schon darauf, gleich seiner Schwester in aller Detailtreue von dem angekündigten verlängerten Wetter zu berichten (sie würde nicht erfreut sein, Helena war ein Frühlingskind (aber das war Herbert egal)) und er war einfach froh – froh, dass die Hexenwoche wenigstens noch diese zwei kleinen Seiten an normalen Themen für seine Leser zur Verfügung stellte. Froh, dass wenigstens noch ein bisschen Normalität da draußen herrschte. Froh auch, dass die Temperaturen erst in der letzten Februarwoche so langsam wieder steigen würden und das Land bis dahin in diesem eisigen, aber trockenen Winter verharren würde müssen.

Lächelnd schloss er das Magazin (und schob es schnell von sich weg, weil ihn Bonnie Troy so aufdringlich von der Rückseite entgegen zwinkerte).

[Bild: be6afd15b91cfb3904f8e708fbcad18f.jpg]


Montag, den
21. Dezember 1998
bis Donnerstag, den
21. Januar 1999


Noch drei Tage bis Weihnachten und Mycroft McKinney hatte noch ungefähr zwölf Millionen Dinge zu erledigen. Putzen, die Wohnung säubern, einkaufen. Seine Frau Mary instruieren, was sie wann und wie zu tun hatte. Die Kinder in Zaum halten. Dekorieren, diesen wilden Trank nachschlagen, den sein Cousin Geoffrey sich von ihm zu Weihnachten gewünscht hatte – als hätte er nicht genügend andere Sorgen! Er war der Hausmann in der Familie und er war dafür verantwortlich, dass die große Familienzusammenkunft über die Feiertage ein Erfolg werden würde und im Gegenzug dafür kümmerte sich seine Frau um alle Geschenke für die Kinder und die gesamte Verwandtschaft – aber er war nun mal der gelernte Zaubertränkemeister und hin und wieder musste er diese alten Erinnerungen (die er hatte einstauben lassen, als Mary ihr erstes Kind geboren hatte, ihren Job als Heilerin aber nicht aufgeben wollte) für die bucklige Verwandtschaft aus seinem Gedächtnis kramen.

Und obwohl er heillos gestresst war und eigentlich in diesem Moment bereits auf dem Weg sein sollte, um im Portschlüssel-Büro den Portschlüssel zum Transport seiner Verwandten aus den Cotswolds genehmigen zu lassen, genoss er gerade einfach nur mal die ersten ruhigen zwei Minuten der letzten Tage: Seine beiden Töchter Lou und Lara waren mit ihrem Großvater unterwegs, einen Weihnachtsbaum zu besorgen, Mary war in die Winkelgasse appariert, um die letzten Geschenke zu versorgen. Also saß er jetzt dick eingepackt auf ihrer Terrasse, blickte ruhig atmend in die verschneite Landschaft, genoss einen warmen Eierpunsch und freute sich schon auf genau das hier während der nächsten Weihnachtstage: Auf knisternden Schnee unter seinen Sohlen, auf dicke Flocken, kalte, klare Luft, rosa Wolken kurz vor Sonnenuntergang.

Zum Glück war er noch gekommen, dieser malerische Schnee: Vor zwei Tagen waren sie alle morgens erwacht und hatten vor ihrem Fenster eine wunderbare Winterlandschaft vorgefunden. Sicher, sie lebten in Schottland und waren generell immer ziemlich gesegnet, was den Schnee anging, aber dieses Jahr hatten sie die Hoffnung schon fast aufgegeben. Es war schon länger eiskalt gewesen, die Temperaturen seit Wochen weit unter dem Nullpunkt – gleichzeitig aber auch sehr trocken. Ungewöhnlich trocken für diese Zeit und vor allem für London, fast so als hätte sich das Land in eine Schockstarre begeben.

Doch jetzt, ein Monat nach der großen Schlacht auf Hogwarts, hatte sich das Blatt scheinbar gewendet: Noch bis Ende Dezember, wohl sogar bis in den Januar hinein, fällt der Schnee nahezu unentwegt auf die Insel, sogar bis weit in den Süden hinein – sogar über London lag mittlerweile eine beachtliche, weiße Decke. Erst in der zweiten Januar Woche würden die Temperaturen jedoch wieder steigen, den Schnee fürs erste wieder verschwinden lassen und den gemütlichen Niederschlag in fiesen, kalten, peitschenden Regen verwandeln.

Mycroft zuckte zusammen – seine Ruhepause war vorüber. Jetzt stand der Besuch im Ministerium an, danach musste er noch den Garten entgnomen (er hasste seinen Bruder für dessen latente Gnom-Allergie – wieso sonst müsste er diese scheußliche Arbeit sonst noch mitten im Dezember durchführen) und sich weiter um das große Festessen kümmern – und ein kleines bisschen, irgendwo tief in seinem Herzen, freute er sich wahnsinnig auf das alles: Auf den Schnee, auf Weihnachten, auf seine ganze buckelige Verwandtschaft. Und darauf, dass dieses Jahr endlich, endlich zu Ende gehen würde.