|
Die Zeichen stehn auf Sturm
Von 21.11.1998 bis 22.11.1998
DIE ZEICHEN STEHN AUF STURM
DAS WARTEN IST VORBEI WIR SCHIESSEN AUF DIE KONFORMISTEN MIT FARBE UND MIT BLEI Oaklyn schob ihren Mopp unter die Behandlungsliege und versuchte auch eine besonders hartnäckige Blutkruste aus der hinterletzten Ecke zu entfernen. Natürlich konnte sie auch zaubern - bei Merlin, sie hatte keine Ahnung wie viele Leute sie in den Krankenhäusern der Muggel für ihren Job beschäftigen mussten - aber in den fünfunddreißig Jahren, in den denen sie jetzt hier im Mungos Hospital arbeitete, hatte sie gelernt, dass sich die fiesesten Flecken nur mit roher Gewalt lösen ließen. Also stieß sie den ebenso wie sie selbst in die Jahre gekommenen Mopp wieder und wieder in die fiese Ecke, bis da keine rostroten Flecken mehr zu sehen waren. Das war definitiv Blut, sagte sie sich, Eiter und Wundflüssigkeit sind anders in der Konsistenz. Sie stellte ihren treuen Mopp zurück auf den Putzwagen und zückte ihren Zauberstab um einen Lappen über die Fensterbänke fliegen zu lassen. Graues Novemberlicht schien träge in den großen Behandlungssaal und es fuchste Oaklyn, dass es so ruhig war. Keine der Liegen oder Betten war besetzt und doch herrschte eine Anspannung in der Luft, die man förmlich spüren konnte. Als die Chefheilerin sie heute morgen zusammen getrommelt hatte, hatte Oaklyn schon Böses geschwant. Sie machte den Job wirklich nicht erst seit gestern und wusste genau, dass eine Vollversammlung vor der Chefin nur dann vorkam, wenn die Kacke richtig am Dampfen war. Einige Minuten später, als sie mit ihrem Mopp in den Reihen der anderen Reinigungshexen und -zauberer stand, umringt von Heilern, Pflegekräften, Auszubildenden und Empfangshexen, bestätigte sich diese dunkle Vorahnung, als sie erklärt bekamen, dass sich auf Schloss Hogwarts Kämpfe anbahnten. Die Lage sei undurchsichtig, wurden sie aufgeklärt - oder besser überhaupt nicht aufgeklärt - und man müsse sich bereit halten um die Erstversorgung der Verletzten zu übernehmen. Tinkturen und Tränke seien ausreichend bereit zu stellen, genügend Desinfektionsunterlagen und die Anzahl der Betten aufzustocken. Dabei seien sie alle noch mal daran erinnert, dass sie sich der Heilung verschrieben haben, egal welche politischen Ansichten ihre Patienten und Patientinnen haben. Oaklyn atmete tief ein und pfiff leise verächtlich durch die Zähne. „Nicht schon wieder“, brummelte sie kopfschüttelnd vor sich hin. „Ich dachte wenigstens ich wäre in Rente, bevor so eine Scheiße noch mal passiert.“ Ihre Kollegen und Kolleginnen sahen sie mit einer Mischung aus Überraschung bei den Jüngeren und Verständnis bei den Älteren an. Oaklyn hatte schon so viel Blut, Knochenteile, verrenkte Körper und Fluchschäden in all ihren Variationen gesehen und wusste inzwischen für jeden Fleck eine Lösung, aber sie hatte nicht gedacht, dass sie vier Monate vor ihrer Pensionierung noch mal eine handfeste Schlacht miterleben würde. Beziehungsweise das, was so ein Gefecht immer mit sich brachte: Verletzungen, Schmerzen und Sterben. Für einen Moment überlegte sie, einfach nach Hause zu gehen. Sich einen Tee zu kochen, sich in ihren Ohrensessel zu setzen und das Ganze möglichst an sich vorbei ziehen zu lassen - sie fühlte sich zu alt für noch eine Schlacht. Im gleichen Moment spürte sie aber auch schon, wie sich ihr Griff um ihren Mopp festigte und ihr Gesicht einen entschlossenen Ausdruck annahm. „Sollen sie kommen“, sagte sie und griff nach ihrem Wagen, während um sie herum Hektik ausbrach und alle in verschiedene Richtungen davonstoben.#
DIESE SZENEN HEIZEN DEM PLOT ORDENTLICH EIN
|