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Zusammenkunft der Todesser auf Rosier Castle
Von 30.05.1998 bis 30.05.1998
![]() Die junge Todesserin betrachtete das Stück Pergament in ihren Händen mit gerunzelter Stirn. Welche Ankündung der Dunkle Lord wohl für so wichtig erachten mochte, dass er dafür eine Vollversammlung aller Todesser einberief? Soweit sie das selbst einschätzen konnte, war bei dem Übergriff auf das Aurorenbüro und die magische Strafverfolgung in Hogsmeade zwar nicht alles nach Plan verlaufen, letztendlich hatten sie doch aber ihr Ziel erreicht, oder nicht? Sicher, ohne die Vollidioten vom Phönixorden hätte es noch mehr Tote geben können, aber wenigstens gab es nun keine Schlammblüter und Muggelliebhaber mehr in diesen Posten und darauf kam es doch letztendlich an. Auf ihr eigenes Konto ging außerdem mindestens ein toter Auror und eine Ordenstussi, die sich demnächst damit befassen musste, wie man Narben am besten abdeckte - sie hatte sich nichts vorzuwerfen. Dennoch verspürte sie in gleichem Maße Anspannung und Neugier im Hinblick auf die bevorstehende Veranstaltung. Was war mit Veränderungen der Führungsposition gemeint? Wollte der Meister selbst diesen Posten übernehmen und Nemesis Rosier entlassen? Bei dem Gedanken daran, dass die Machtübernahme der Todesser bereits so weit vorangeschritten sein könnte, legte sich ein siegessicheres Grinsen über ihre Gesichtszüge und sie steckte das zusammengerollte Pergament in die Innentasche ihres Umhangs. Letztlich musste sie sich wohl noch bis zum Samstag gedulden um wirklich zu erfahren, um was es dem Dunklen Lord ging. Punkt dreiviertel acht apparierte sie in die neblige Straße, die zum Anwesen der Rosiers hinaufführte. Hinter ihr lag das durch zahlreiche kleine Lichter erleuchtete Dover, ein paar Meter vor ihr konnte sie ein schmiedeeisernes Tor erkennen. So selbstbewusst wie möglich schritt die junge Frau darauf zu und erhielt kurz darauf Einlass, in dem sie den Ärmel ihres Umhangs ein paar Zentimeter nach oben schob und damit ihren Unterarm entblößte. Nagen jedenfalls nicht am Hungertuch, die Rosiers, dachte sie bei sich, während sie ihre Schritte durch die lange Eingangshalle in die Richtung des Salons lenkte und versuchte sich vorzustellen, wie sich die Gesamtheit der Todesser in ihre kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in London drängen würde. Ein schier hoffnungsloses Unterfangen, es sei denn, jemand würde mit dem Badewannenrand vorliebnehmen. Im Salon angekommen musste sie kurz innehalten um die schiere Größe und den Prunk des Raumes auf sich wirken zu lassen. Unter dem riesigen Kronleuchter hatten sich bereits einige andere Todesser versammelt. Sie standen in Grüppchen beisammen und unterhielten sich mit gedämpften Stimmen, alle ganz offensichtlich genauso mit Unwissenscheit über den Anlass der Versammlung geschlagen wie die junge Frau selbst. Weiter hinten im Raum konnte sie einige längliche Tische mit schwarzen Tischtüchern erkennen, auf denen sich eine Vielzahl von Tellern und Platten mit kleinen Köstlichkeiten drängten. Zusammen mit den schweren schwarzen Gardinen, die vor den hohen Fenstern hingen, erweckte das Ensemble den Anschein eines Leichenschmauses. Entweder die Rosiers haben einen ziemlich morbiden Geschmack in Sachen Partydekoration oder hier ist irgendwas im Argen. Viel Zeit sich weiter darüber den Kopf zu zerbrechen oder sich eins der Blätterteighäppchen zu schnappen blieb ihr allerdings nicht, denn mit einem Mal verstummten jegliche Gespräche und vollkommene Stille legte sich über den großen Raum. Der Dunkle Lord selbst war erschienen und ging gemessenen Schrittes bis in die Mitte des Salons, hielt dort inne und wies seine Anhänger wortlos an, sich um ihn herum zu gruppieren. Die junge Todesserin beeilte sich, ihren Platz in dem sich bildenden Halbkreis zu finden und ließ ihren Blick schnell über die angespannten Gesichter der anderen gleiten, ehe sie sich voll auf ihren Meister konzentrierte, um kein Wort aus seinem Mund zu verpassen. ”Todesser, ich habe euch heute hier zusammengerufen um euch einige Mitteilungen zu machen.” Die Stimme des Dunklen Lords klang kalt und unnachgiebig und seine Präsenz erfüllte den Saal mit einer spürbaren Eindringlichkeit. ”Wie ihr wisst ist es uns zu Beginn des Monats gelungen die Aurorenzentrale und die magische Strafverfolgung außer Gefecht zu setzen.” Vereinzelt war zufriedenes Gemurmel zu vernehmen. ”Ja, es gibt im Ministerium inzwischen keine Abteilung mehr, die es wagen würde die Dunklen Künste zu verurteilen oder gar zu verfolgen. Ich habe dafür gesorgt, dass alle verweichlichten Muggelsympathisanten durch fähigere Mitarbeiter abgelöst wurden.” Kurz legte sich hinterlistiges Grinsen über seine fahlen Gesichtszüge, dann verhärteten sie sich wieder. ”Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass das Auftauchen des Phönixordens unvorhergesehene Schwierigkeiten ausgelöst hat. Die dafür Verantwortlichen haben ihre Strafe zwar bereits erhalten, allerdings… gibt es in unseren Reihen ein Opfer zu beklagen. Nemesis Rosier ist in Hogsmeade getötet worden.” In der entstehenden Pause regten sich hier und da ein paar Todesser, überraschtes und erschrockenes Geflüster brach an, bis der Dunkle Lord einen Arm hob, um dem Einhalt zu gebieten. Sein Gesicht verriet keine Spur des Bedauerns. ”Wie euch allen klar sein dürfte, haben wir mit Mrs Rosier nicht nur eine fähige Todesserin verloren, sondern auch die amtierende Zaubereiministerin. Der Grund, warum diese Neuigkeiten bisher noch nicht in aller Munde sind, ist so einfach wie genial: Megaira hat seit dem Ableben ihrer Schwester ihre Amtgeschäfte übernommen.” Seine roten Augen flackerten kurz in die Richtung der eben Erwähnten und alle anderen taten es ihrem Meister gleich. Hier und da war ein scharfes Einatmen zu vernehmen. Megaira Rosier selbst blickte mit versteinerten Gesichtszügen starr geradeaus. ”Während dies gewiss ein glücklicher Zufall war, so kann es kein Zustand auf Dauer sein. Sicherlich werdet ihr euch fragen, warum ich meine so rasch voranschreitende Machtergreifung nicht besiegle und selbst den Posten des Ministers einnehme. Nun, gebt euch einstweilen mit der Antwort zufrieden, dass ich vorerst anderweitig beschäftigt bin. Aus diesem Grund habe ich beschlossen die Regierungsgewalt künftig nicht mehr nur einer Person zu überlassen. Ich kann es nicht mehr riskieren, dass ein einzelner Tod meine sorgsam erdachten Pläne ins Wanken bringt, deswegen gründe ich hiermit das ministeriale Komitee. Fortan wird eine Gruppe von Todessern, die ich für besonders fähig und zuverlässig halte, unter meiner Anleitung an der Spitze des Ministeriums stehen.” Nachdem der anfängliche Schock verflogen war, wurde es im Saal zunehmend lauter. Einige der Todesser warfen sich hoffnungsvolle Blicke zu, immerhin schien ein Platz in diesem neuen Komitee zu den höchsten Auszeichnungen zu gehören, die man von Dem-Dessen-Name-Nicht-Genannt-Werden-Durfte erhalten konnte. ”Ich werde nun diejenigen Todesser nennen, die bereits so viel Treue und Einsatzbereitschaft bewiesen haben, dass ich sie des Komitees würdig erachte. Megaira du wirst als repräsentative Kraft weiterhin ein Teil der Führungsriege bleiben. Savage, als neuer Leiter der Aurorenzentrale hast du es geschafft, diesem Amt eine völlig neue Bedeutung zu geben. Ich erwarte von dir keine minderen Bemühungen im ministerialen Komitee. Macnair, mit deinem Einsatz auf Hogwarts wirst du die neue Richtung der magischen Ausbildung vertreten. Forbes, dein weitreichender Einfluss in der Wirtschaft wird der Entscheidungskraft des Komitees mehr als nützlich sein. Gladwyn, dein Bekanntheitsgrad in den höheren Kreisen der magischen Bevölkerung wird sich sicherlich als nützlich erweisen. Und schließlich, Woodruff. Du hast schon so lange auf eine Möglichkeit gewartet, im Ministerium weiter aufzusteigen, nun, hiermit wird sie dir gewährt.” Er ließ seinen Blick einmal durch den Halbkreis wandern und schien damit jeden Todesser einzeln zu durchbohren. Reihum neigten sich Köpfe gen Boden die junge Frau merkte, wie ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken lief. ”Diejenigen, die ich soeben benannt habe, können in den nächsten Tagen eine Nachricht von mir mit dem weiteren Vorgehen erwarten. Und jetzt entschuldigt mich, ich habe noch weitere Angelegenheiten, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen. Erhebt euer Glas heute Abend auf einen weiteren erfolgreichen Schlag gegen alle, die sich meiner Macht entziehen wollen und auf den Tod Nemesis Rosiers.” Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt, so dass sein schwarzer Umhang den Todessern einen schneidenden Luftzug ins Gesicht wehte, und verschwand in im nächsten Moment in einer dunklen Rauchwolke. Eine langgestreckte Sekunde lang herrschte Schweigen. Dann brach der Tumult los.
DIESE SZENEN HEIZEN DEM PLOT ORDENTLICH EIN
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